Die Geschichte der HDI Arena

1954

Einweihung des Niedersachsenstadions. In Form einer Riesenmuschel angelegt (ähnlich wie das Lissaboner Stadion des Lichts), bot die größte Arena West-Deutschlands (nach dem Berliner Olympiastadion) 73.000 Zuschauern Platz. Die Arena war als Multifunktionssportstätte errichtet worden und wurde zum hannoverschen Sinnbild des Nachkriegsaufschwungs und des Wirtschaftswunders in der BRD. Im selben Jahr wurde Hannover 96 Deutscher Fußballmeister und die Nationalmannschaft konnte erstmals den Weltmeister-Titel gewinnen!

Postkarte mit Luftbild des neu gebauten Niedersachsenstadions, um 1954. Luftbild von West-Süd-West nach Ost-Nord-Ost. Im Hintergrund der Maschsee.

1955

günstigen Lage, der überragenden Größe und der bundesweit modernsten Technik entschied der DFB, vier der neun folgenden Endspiele um die Deutsche Fußballmeisterschaft in Hannover auszuspielen. 1955 konnte sich Rot-Weiss Essen gegen den 1. FC Kaiserslautern durchsetzen. Aber auch andere national und international beachtete Großveranstaltungen fanden im Niedersachsenstadion statt, z.B. das Landestreffen des Bunds der Vertriebenen.

1957

Borussia Dortmund gewann die Deutsche Meisterschaft im Niedersachsenstadion. Beim Länderspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen England schauten 97.000 Menschen zu. Das ist bis heute Rekord für ein Heimspiel der deutschen Fußballnationalelf!

1958

Wieder ein Deutscher Meister aus dem Revier: Schalke 04 siegte im Endspiel in Hannover gegen den Hamburger SV mit 3:0.

1961

Auch der 1. FC Nürnberg durfte sich in Hannover zum Meister krönen lassen. Noch hatte die Bundesliga nicht begonnen und die Meisterschaft wurde wie gewohnt in einem Endspiel entschieden. So hatte auch Hannover 96 seine Meisterschaften 1938 in Berlin und 1954 in Hamburg gewonnen!

1963

An der Turnhalle des Niedersachsenstadions wurde von Eduard Bargheer ein aus bunten Glassteinen bestehendes Großmosaik gestaltet. Es gilt als eines der deutschlandweit wichtigsten Kunstobjekte an Gebäuden und wurde daher für die WM 2006 aufwändig ab- und wieder aufgebaut.

1964

Mannschaftsaufstellung Hannover 96 vor dem entscheidenden Relegationsspiel um den Aufstieg in die Bundesliga 1964. Gegner: Hessen Kassel. Zuschauer über 80.000.

Hannover 96 war endlich Teil der 1963 neugegründeten Bundesliga! Während die Mannschaft von Trainer Kronsbein bisher meist noch in Eilenriedestadion oder Radrennbahn gespielt hatte, wurde ab jetzt das Niedersachsenstadion endgültig zur neuen Heimat der 96er! Zum entscheidenden Aufstiegsspiel gegen Hessen Kassel kamen über 80.000 begeisterte Fans von Hannover 96!

60er Jahre

Auch das DFB-Pokal-Finale ist mehrfach in Hannover ausgetragen worden! 1963 konnte der Hamburger SV den „Pott“ in den Himmel über Hannover heben. Borussia Dortmund folgte 1965 und 1970 siegte gar der frisch gebackene Bundesliga-Aufsteiger Kickers Offenbach sensationell gegen den hoch favorisierten 1. FC Köln im Niedersachsenstadion. Diese siegten dann aber 1977 durch zwei Endspiele (das erste endete Unentschieden) gegen Hertha BSC. Für die Hertha war Hannover kein gutes Pflaster. Auch ein zweites Mal war im Endspiel in Hannover Schluss für die Berliner! Fortuna Düsseldorf siegte 1979 und konnte den DFB-Pokal von der Leine an den Rhein entführen. 1975 gelang Eintracht Frankfurt noch der große Wurf in Hannover. Insgesamt neunmal wurde das DFB-Pokalfinale im Niedersachsenstadion ausgetragen.

1965

Das Niedersachsenstadion erhielt am 15. Dezember erstmals eine Flutlichtanlage. Die charakteristischen Masten waren im Volksmund bis zum Umbau 2005 (und bei älteren Hannoveranern auch heute noch) als „Zahnbürsten“ bekannt. Das Eröffnungsspiel bestritt eine Auswahl aus Hannover 96 und Eintracht Braunschweig gegen die rumänische Nationalmannschaft (3:1 für Niedersachsen!).

1966

Dreharbeiten im Niedersachsenstadion zum Kinofilm „Jerry Cotton – Die Rechnung eiskalt serviert“. Hubschrauber-Szene mit Georg Nader als Jerry Cotton.

Das Niedersachsenstadion diente auch als Filmkulisse! Zum Kinofilm: „Jerry Cotton- Die Rechnung eiskalt serviert“ mit Georg Nader diente das Stadion als exklusiver Drehort und sollte eine Football-Arena in New York darstellen. Auch als Kulisse für Werbung wurde das Stadion oft und gerne genutzt.

1971

Neben sportlichen und politischen Großveranstaltungen fanden auch Konzerte und Aufmärsche im Niedersachsenstadion statt. Kirchentage, Veranstaltungen im Rahmen des traditionsreichen hannoverschen Schützenfestes oder wie 1971 das NATO-Musikfest mit Militärkapellen aus allen Staaten des Militärbündnisses stellten für Gäste aus dem In- und Ausland Hannover als weltoffene Messe-, Industrie- und Freizeitstadt dar. Kunst, Politik, Soziales, Kultur und Sport wurden seit 1954 im Niedersachsenstadion kunstvoll miteinander verknüpft.

Militärkapelle auf dem Spielfeld des Niedersachsenstadions. 03.08.1971: Nato-Musikfest im Niedersachsenstadion. Militärkapelle und Drilltruppe „HM Kongens Gardesmusikk-og drilltropp“ aus Norwegen.

1973

Erster Spielertunnel im Niedersachsenstadion. Wurde im Zuge des Umbaus zur WM 1974 durch einen Tunnel aus Plastik an selber Stelle ersetzt. Führte am Regieturm im nordöstlichen Teil des Stadions in den Innenraum und endete an der Laufbahn. Direkt nördlich daneben: Das Marathon-Tor Nord. Aufnahme undatiert, vermutlich Anfang 70er Jahre

Eröffnung der neu überdachten West-Tribüne. Anlässlich der bevorstehenden Fußballweltmeisterschaft bekam das Niedersachsenstadion ein Update. Neben dem riesigen neuen Dach wurden auch ein Spielertunnel aus Plexiglas und eine neue Kunststofflaufbahn gebaut. Bereits vorher war eine Anzeigetafel installiert worden, die vorher in Ungarn im Einsatz gewesen war.

1974

WM in Hannover! Eines der Highlights: Das Zwischenrundenspiel Brasilien : DDR! Eigentlich hatten die Zuschauer auf ein Spiel der BRD gegen Brasilien gehofft, aber aufgrund der unerwarteten Niederlage von Deutschland-West gegen Deutschland-Ost (0:1 durch Sparwasser) wurde dieses Traumspiel aus Sicht vieler Hannoveraner verhindert.

1982

Mit den Rolling Stones (100.000 Zuschauer) begann die Ära des Arena Rock auch in Hannover und dauert mit fantastischen Konzerten internationaler Mega-Stars bis heute an. Genesis, Pink Floyd, Helene Fischer, Udo Lindenberg, Guns´n´Roses, Robbie Williams, AC/DC, Depeche Mode, Tina Turner, Coldplay und viele andere Superstars konnten sich schon von der Begeisterungsfähigkeit der Fans in Hannover überzeugen und kamen meist mehr als einmal in das Niedersachsenstadion.

1983

Vom 08.-12. Juni diente das Niedersachsenstadion als zentraler Versammlungsort des 20. Deutschen Evangelischen Kirchentages. Auch andere kirchliche Veranstaltungen wie Massentaufen o.ä. wurden hier erfolgreich durchgeführt. Polizeisportfeste, Radsportveranstaltungen oder internationale Leichtathletik-Events gehörten ebenfalls zum vielfältigen Angebot der Arena.

Jugendliche im Niedersachsenstadion Hannover anlässlich der Abschlussveranstaltung zum 20. Deutschen Evangelischen Kirchentag (8.-12.06.1983).

1988

Zur EM in Deutschland, bei der das Niedersachsenstadion wieder als Spielort mit dabei war, wurde die Arena erneut einer Modernisierung unterzogen, aber es wurde schon damals deutlich: Das Niedersachsenstadion konnte den wachsenden internationalen Ansprüchen an Sicherheit und Komfort nicht mehr gerecht werden. Hannover 96 als wichtigster Mieter der städtischen Immobilie Niedersachsenstadion pendelte beständig zwischen erster und zweiter Bundesliga und konnte die Auslastung der riesigen Arena ebenfalls nicht dauerhaft sicherstellen.

1990er

Im Vorfeld der Expo 2000 kamen erste Rufe nach einem Um- oder Neubaus des in die Jahre gekommenen Niedersachsenstadions hin zu einer modernen Multifunktionsarena auf. Aufgrund ungesicherter Finanzierungsfragen wurden die Pläne aber nicht konsequent weitergeführt.

1997

Mit der Übernahme des Vereinsvorsitzes durch Martin Kind und der wirtschaftlichen und sportlichen Konsolidierung von Hannover 96 wurden die Voraussetzungen geschaffen, auch das in Würde ergraute Niedersachsenstadion zu modernisieren und konkurrenzfähig zu gestalten.

90er Jahre

Zur Expo 2000 erhielt das Niedersachsenstadion neue Einzelsitzschalen statt der Holzbänke – allerdings fand die EXPO 2000 nur auf dem Messegelände statt.

2002

Passend zum Aufstieg von Hannover 96 in die Bundesliga wurde das altehrwürdige Niedersachsenstadion umbenannt. Mit dem Finanzdienstleister AWD (heute Swiss Life) wurde ein Namenssponsor gefunden, der mehr als zehn Jahre lang als Partner von Hannover 96 die Arena prägte. Mit neuer Finanzkraft, der Zugehörigkeit zur Bundesliga und der bevorstehenden WM 2006 wurde ein public-private Partnership-Modell entwickelt, um die Arena komplett umzubauen. Ziel dieser Umbaumaßnahmen war es, Hannover den Status als WM-Spielort zu sichern und Profifußball dauerhaft in der niedersächsischen Landeshauptstadt zu ermöglichen.

2003

Grundsteinlegung zum Umbau der AWD Arena 2003 (?). Hannover 96, ein Bankenkonsortium und die Stadt Hannover haben die Arena durch die 66 Millionen Euro teuren umbaumaßnahmen zukunftsfähig gemacht und so den WM Standort Hannover zur Weltmeisterschaft 2006 ermöglicht. V.l.n.r.: 96-Präsident Martin Kind und der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Hannover Herbert Schmalstieg (SPD).

Beginn der Umbauarbeiten. Für knapp 66 Millionen Euro ist eine neue Osttribüne errichtet worden. Die West-Tribüne wurde erhalten, aber einige Meter nach vorne gezogen. Charakteristisch ist das preisgekrönte, wellenförmige Dach in Form eines zweifachen Speichenrades, welches alle Plätze überdacht und völlig losgelöst von der Tribünenkonstruktion darunter steht.

2005

Einweihung des neuen Stadions beim Bundesliga-Heimspiel gegen Bayer Leverkusen am 23. Januar. Zwei riesige Videowände informieren seither über alle Wichtige rund um das Spiel. Mit einem modernen VIP- und Businessbereich und der dazugehörigen Infrastruktur hat sich die Arena zu einer exklusiven Event-Location der Extraklasse gewandelt. Im selben Jahr fand als Vorbereitung auf die WM der Confed-Cup statt- unter anderem auch mit Spielen in Hannover!

2006

„Die Welt zu Gast bei Freunden!“ So lautete das Motto zu WM in Deutschland 2006! Das galt auch für Hannover. 215.000 Zuschauer sahen vier Gruppenspiele und ein Achtelfinale- alle ausverkauft! Hannover hatte seinem Ruf als Tor zur Welt alle Ehre gemacht.

2009

Nach dem tragischen Tod von 96-Spieler und Nationaltorwart Robert Enke stand die Arena im Zentrum der Trauerfeierlichkeiten. Vor dem Stadion legten die Fans aus aller Welt Blumen, Bilder, Schals und Trikots ab. In einer bewegenden Zeremonie nahm die Fußballwelt im Stadion Abschied von Robert Enke. Der damalige DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger sagte in seiner Rede: „Fußball ist nicht alles!“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

2011

„Auf nach Europa!“ hieß es ab 2011! Nach der erfolgreichsten Saison der Vereinsgeschichte konnte sich Hannover 96 erstmals seit 1992 wieder für einen internationalen Wettbewerb qualifizieren. In den kommenden beiden Spielzeiten erlebten die 96-Fans in ihrer Arena packende Spiele gegen Weltklasse-Mannschaften wie den FC Sevilla oder Atlético Madrid. Wieder stand die Arena im Mittelpunkt des Interesses.

2013

Blick über das Dach der HDI Arena in den Innenraum bei Dämmerung. Blickrichtung von Ost nach West, undatiert.

Umbenennung des Stadions in HDI Arena. Mit dem Versicherungskonzern HDI hat Hannover 96 erneut einen langfristigen Partner für die Bewirtschaftung der Arena gefunden. Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg stehen im Fokus der Arbeit. Denn eines ist klar: Tradition verpflichtet! Für die Menschen in der Region Hannover und die Gäste aus aller Welt ist die HDI Arena seit 1954 ein fester Anlaufpunkt und ein Aushängeschild der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover!

Blick über den Maschsee auf die erleuchtete HDI Arena am Abend. Blickrichtung von Höhe Landesfunkhaus nach Nordwesten.

Text: Sebastian Kurbach
Weiterführende Literatur: Wolter, Christian: Zur Geschichte der Fußballstadien in Hannover. In: Hannoversche Geschichtsblätter Neue Folge (60), S. 5–52.
Und natürlich im Archiv von Hannover 96.  Kontakt zu 96-Archivar Sebastian Kurbach: 0511 / 96 900 146. E-Mail:sebastian.kurbach@hannover96.de